Erster Report: Mobilität in Deutschland

Social Distancing beschäftigt derzeit ganz Deutschland, und die Straßen fühlen sich deutlich leerer an als sonst. Aber stimmt dieser Eindruck? Bleiben Leute tatsächlich mehr Zuhause?

Mit Mobilitätsdaten können wir tagesaktuell messen, wie sich Menschen bewegen, und ob sie in den letzen Wochen ihr Verhalten verändert haben. Dazu nutzen wir anonymisierte und aggregierte Bewegungsströme, die aus Mobilfunkdaten gewonnen werden.

In unseren Datensätzen sehen wir, wieviele Leute sich innerhalb und zwischen Landkreisen in Deutschland bewegen. Wir wissen dabei nur wie viele Personen sich bewegen, aber nicht wer sich bewegt: Wir können keine Individuen unterscheiden, und kennen auch keine persönlichen Informationen wie Alter oder Geschlecht. Mehr Details zu den Datensätzen finden sich auf der Unterseite Daten.

Mobilitäts-Trends in Deutschland

Bewegen sich die Menschen in Deutschland also weniger als üblich? Die kurze Antwort lautet: Ja

Im März 2020 beobachten wir eine deutliche Abnahme der deutschlandweiten Mobilität. Während wir Anfang März an einem typischen Werktag etwa 190 Millionen Bewegungen erfassen, sinkt diese Zahl bis Ende März auf etwa 120 Millionen Bewegungen.

Wenn wir die Anzahl an Bewegungen mit einer durchschnittlichen Woche aus dem März 2019 vergleichen sehen wir klar die Abweichung zum Normalzustand. Ab der zweiten Märzwoche sinkt die Mobilität sichtbar unter das normale Niveau.

Die stärkste Abnahme der Mobilität geschieht in der dritten Märzwoche, vom 15. bis 22. März. Zu dieser Zeit treten viele Maßnahmen in Kraft, die die Mobilität in Deutschland einschränken, unter anderem:

Diese und andere Maßnahmen, gepaart mit dem Social Distancing, das Einzelpersonen und Unternehmen umsetzen, führen zu dem starken Abfall der Mobilität in der dritten Märzwoche.

Die konkrete Wirkung von Einzelmaßnahmen ist schwer vom allgemeinen Trend zu unterscheiden, aber einige Maßnahmen sind klarer zu erkennen: Die strengen Ausgangsbeschränkungen in Bayern, die am 20. März verkündet wurden, führten zu einer starken Verringerung der Mobilität an den folgenden Tagen. Dieser regionale Effekt ist gut im Mobility Monitor sichtbar wenn man diese Tage auswählt.

Die aktuellsten Zahlen aus der ersten Aprilwoche zeigen einen sehr leichten Anstieg der Mobilität. Es bleibt zu beobachten ob sich dieser Trend fortsetzt.

Regionale Unterschiede

Die Verringerung der Mobilität unterscheidet sich zwischen Regionen in Deutschland: Manche Gegenden sind stärker von Covid-19 betroffen, Maßnahmen werden regional unterschiedlich umgesetzt, und somit unterscheidet sich das Ausmaß an Social Distancing lokal.

Die folgenden Karten zeigen die wochenweise Änderung der Mobilität, wobei wir die Wochen aus März 2020 mit einer Durchschnittswoche aus März 2019 vergleichen.

Die Karten zeigen für jedes Gebiet die Änderung in der Anzahl an allen Bewegungen, die in diesem Gebiet starten. Die Daten sind somit die gleichen wie im Mobility Monitor tagesweise zu sehen, nur dass wir hier ganze Wochen zusammenfassen.

In der Kalenderwoche 11 sehen wir wenig Änderung in der Mobilität. Die Gesamtmobilität beginnt zu sinken, aber liegt bisher nur -2.2% unter dem Normalniveau. Auf der Karte sind bisher kaum regionale Unterschiede erkennbar.